schwarz-weiß-Bild von Lew Kopelew und Frotz Pleitgen 1996 

Über Lew Kopelew

Lew Kopelew – ein bewegtes leben

Lew Kopelew und Marion Gräfin Dönhof
© Lew Kopelew Forum

Germanist, Schriftsteller und Bürgerrechtler.

Nach Jahren als politischer Häftling erwuchs aus seiner Auseinandersetzung mit dem Stalinismus und dem sowjetischen System sein Engagement für Demokratie, Freiheit und den Schutz derjenigen, deren Menschenrechte verletzt wurden. Nachdem er in der Sowjetunion ab Ende der 1960er Jahren aufgrund seiner offenen menschenrechtlichen Aktivitäten verfolgt und schließlich auf Breschnews Erlass zusammen mit seiner Frau Raissa Orlowa ausgebürgert worden war und seine Heimat verlassen musste, zog Lew Kopelew nach Köln – und fand dort eine zweite Heimat.

 

Der in der Ukraine geborene Humanist ruhte nicht. Er setzte sich im Exil für sowjetische Dissidentinnen und Dissidenten ein.
Für sein Engagement und sein Werk erhielt Lew Kopelew zahlreiche Ehrungen. Ihm wurde die Ehrendoktorwürde der Universität Köln verliehen, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sowie der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis.

 

Zu seinen nahestehenden Freunden und Verbündeten gehörten unter anderem der Physiker und Nobelpreisträger Andrej Sacharow, der Schriftsteller und Nobelpreisträger Heinrich Böll und seiner Frau, der Übersetzerin und Lektorin Annemarie Böll, die Mitbegründerin und spätere Herausgeberin der Wochenzeitung DIE ZEIT Marion Gräfin Dönhoff, NRW-Ministerpräsident und späterer Bundespräsident Johannes Rau.

Lew Sinowjewitsch Kopelew (1912–1997)

Portrait von Lew Kopelew

9. April 1912

Geburt in Kyjiw; dreisprachig aufgewachsen (Russisch, Deutsch, Ukrainisch)

1922–1927

Besuch öffentlicher Schulen in Kyjiw und Charkiw

1928–1933

Ausbildung zum Metalldreher, später Werksjournalist

1930

Heirat mit Nadeshda Koltschinskaja

1933–1938

Studium in Charkiw und Moskau

1938–1941

Doktorand, Assistent und Dozent am Moskauer Institut für Geschichte, Philosophie und Literatur 1941 Promotion mit einer Arbeit über Friedrich Schiller

1941–1945

Propagandaoffizier der Sowjetarmee

1945

Verhaftung beim Einmarsch in Ostpreußen Anklage wegen „Propagierung des bürgerlichen Humanismus“ und „Mitleid mit dem Feind“

1945–1954

Gefangener in Stalins Straflagern

1954–1957

Publizistische Gelegenheitsarbeiten nach Rehabilitierung

1956

Zweite Ehe mit Raissa Orlowa

1957–1968

Lehr- und Forschungstätigkeit an Moskauer wissenschaftlichen Instituten Schwerpunkt deutsche Sprache und Literatur

1962

Erste Begegnung mit Heinrich Böll in Moskau

1968

Offener Einsatz für Menschenrechte (Prager Frühling) Parteiausschluss und Verlust des Arbeitsplatzes

1968–1975

Möglichkeit von Gastvorlesungen an sowjetischen Universitäten fern von Moskau und Leningrad

1973

Erste Buchpublikation in Deutschland: „Zwei Epochen deutsch-russischer Literaturbeziehungen“, Frankfurt/Main

1975

Auftritts- und Publikationsverbot in der Sowjetunion

1976–1977

Weitere Publikationen in Deutschland:
„Verwandt und verfremdet“ (Frankfurt/Main)
„Aufbewahren für alle Zeit!“ (Hamburg)
„Verbietet die Verbote“ (Hamburg)

1979

ARD-Interview „Warum haben wir aufeinander geschossen?“
Gespräch mit Heinrich Böll, moderiert von Klaus Bednarz in Moskau

1980

Mai 1980
Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt


Herbst 1980
Genehmigung eines Ausreisevisums zu einem einjährigen Studienaufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland


November 1980
Aufnahme bei Heinrich Böll; künftiger Wohnort Köln

1981

Januar 1981

Ausbürgerung aus der Sowjetunion

18. Oktober 1981
Erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels


„Heute müßte es bereits allen eindeutig klar sein, daß der Friede auf dieser Welt nur dann wirklich erhalten bleibt, wenn auch die Menschenrechte gesichert werden – die Rechte der kleinsten nationalen und sozialen Minderheiten und die Rechte jedes einzelnen Menschen. Deswegen sind alle, die sich heute für Menschenrechte einsetzen, wahre Friedenskämpfer.“
Lew Kopelew – Dankesrede

Seit dem Wintersemester 1981/82

Forschungsprofessur an der Bergischen Universität – Gesamthochschule Wuppertal Projekt zur Erforschung der Geschichte deutsch-russischer Fremdenbilder

1983

Erhält den Lessing-Ring zusammen mit dem Kulturpreis der deutschen Freimaurer

1990

Erste Genehmigung der sowjetischen Behörden zu einer Besuchsreise nach Moskau

1991

Erhält den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen


Erhält den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, zusammen mit Anja Lundholm

1992

Erhält die Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen

1993

Erhält die Goldene Goethe-Medaille der Goethe-Gesellschaft Weimar

31. Mai 1996

Tod von Raissa Orlowa in Köln

1996

Wiedererhalt der sowjetischen Staatsbürgerschaft

Dritte Ehe mit Maria Leonenko

18. Juni 1997

Tod von Lew Sinowjewitsch Kopelew in Köln

2015

Erhält posthum die Dankbarkeitsmedaille der Solidarność

2018

Erhält posthum die Auszeichnung “Der baltische Stern”

Kopelews Werk

Entdecken Sie ausgewählte Buchpublikationen und Projekte von Lew Kopelew. Dieses und weiteres Anschauungs- und Dokumentationsmaterial zu Leben und Werk Lew Kopelews finden Sie in unserer Online-Bibliothek und in den Räumlichkeiten des Lew Kopelew Forums.

Buchcover Lew Kopelew -Verbietet die Verbote

1977: Lew Kopelew

»Verbietet die Verbote!«

Buchcover Lew Kopelew - Der Dichter kam vom Rhein

1981: Lew Kopelew

»Ein Dichter kam vom Rhein«
Buchcover Lew Kopelew  Der heilige Doktor 

1984: Lew Kopelew

»Der heilige Doktor Fjodor Petrowitsch. Die Geschichte des Friedrich Joseph Haass.«
Buchcover Lew Kopelew -West-östliche Spiegelungen Russen aus deutscher Sicht 9.-17. JH

1985: Lew Kopelew

»Russen und Rußland aus deutscher Sicht. 9.-17. Jahrhundert«
Buchcover Lew Kopelew Worte werden Brücken

1985: Lew Kopelew

»Worte werden Brücken. Aufsätze / Vorträge / Gespräche. 1980–1985.«
Buchcover Lew Kopelew Raissa und Orlowa - Wir lebten in Moskau

1987: Raissa Orlowa & Lew Kopelew

»Wir lebten in Moskau«
Buchcover Lew Kopelew -West-östliche Spiegelungen Deutsche aus russischer sicht Sicht 18. JH

1987: Lew Kopelew

»Russen und Rußland aus deutscher Sicht. 18. Jahrhundert«
Buchcover Lew Kopelew - Der Wind weht wo er will

1988: Lew Kopelew

»Der Wind weht, wo er will. Gedanken über Dichter.«
Buchcover Lew Kopelew  und Raissa Orlowa - Zeitgenossen Meister Freunde 

1989: Raissa Orlowa & Lew Kopelew

»Zeitgenossen, Meister, Freunde.«
Buchcover Lew Kopelew Forum- Und dennoch hoffen

1991: Lew Kopelew

»Und dennoch hoffen«
Buchcover Lew Kopelew und  Raissa Orlowa - Wir lebten in Köln

1996: Raissa Orlowa & Lew Kopelew

»Wir lebten in Köln. «
Buchcover Lew Kopelew -Kinder und Stiefkinder der Revolution

1997: Lew Kopelew

»Kinder und Stiefkinder der Revolution. Unersonnene Geschichten«
Buchcover Ausstellungskatalog Lew Kopelew - Deutsch-russische Begegnungen im Zeitalter der Aufklärung. Wanderausstellung durch Deutschland und Rußland.

1997: Lew Kopelew

»Deutsch-russische Begegnungen im Zeitalter der Aufklärung. Wanderausstellung durch Deutschland und Rußland.«
Buchcover Lew Kopelew -West-östliche Spiegelungen Deutsche aus russischer sicht Sicht 19. JH-20 JH

2006: Lew Kopelew

»Deutsche und Deutschland aus russischer Sicht. 19./20. Jahrhundert«
Buchcover Lew Kopelew  und Heinrich Böll - Briefwechsel

2011: Heinrich Böll & Lew Kopelew

»2011: Briefwechsel: Heinrich Böll – Lew Kopelew«