Der diesjährige Preisträger des Lew Kopelew Preises spricht über sein Leben und Werk
Dass der russische Schriftsteller Wladimir Woinowitsch mit dem Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte ausgezeichnet wird, war längst fällig. Lew Kopelew hätte die Wahl sehr begrüßt. Beide Männer einte das unbeirrbare Eintreten für die Wahrung der Menschenrechte, vor allem für die Freiheit der Gedanken und des Wortes.
Lew Kopelew schätzte die Schreibkunst seines Freundes sehr. Er genoss den Witz, mit dem Wladimir Woinowitsch gesellschaftliche Verhältnisse und Personen beschrieb. Anders das Sowjetregime! Es sah sich verunglimpft. In seinem Meisterwerk „Die denkwürdigen Abenteuer des Soldaten Iwan Tschonkin“ hatte Woinowitsch die Rote Armee, den Geheimdienst und die Planwirtschaft mit hinreißendem Spott durch den Kakao gezogen.
Die Bürger liebten die Abenteuer des braven Soldaten Tschonkin und ließen sie als Selbstdruck von Hand zu Hand gehen. So gelangte der Schelmenroman in den Westen, wo er in Dutzende Sprachen übersetzt wurde. Das zog Repressionen im eigenen Land nach sich. Doch Wladimir Woinowitsch gab nicht klein bei. Selbst heftigste Bedrohungen durch den Geheimdienst hielten ihn nicht davon ab, sich für Verfolgte einzusetzen.
Am Ende wusste sich das Sowjetregime nicht anders zu helfen als ihn auszubürgern, wie Lew Kopelew 1981! Auch Woinowitsch blieb im deutschen Exil hoch aktiv. Sein Buch „Moskau 2042“ fand international glänzende Kritiken. Die „New York Times“ ernannte ihn zum „Doyen der Satiriker des späten 20. Jahrhunderts“.
Wladimir Woinowitsch wohnt wieder in Moskau. Wie früher nimmt er kein Blatt vor den Mund. Wie früher zeigt sich die politische Führung im Kreml darüber nicht amüsiert.
Der Lew Kopelew Preis würdigt das Lebenswerk von Wladimir Woinowitsch, seine vorzügliche Literatur ebenso wie seine Zivilcourage, Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit.
Veranstaltung in russischer und deutscher Sprache.
Übersetzung: Olga Woinowitsch, Tochter des Schriftstellers
UKB: 5,00 € / 2,50 € LKF-Mitglieder, Schüler, Studenten und ALG-II-Empfänger

