Wladyslaw Bartoszewski, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 1986 und ehem. polnischer Außenminister, stellt sein Buch „Und reiß uns den Haß aus der Seele – Die schwierige Aussöhnung von Polen und Deutschen“ (Deutsch-Polnischer Verlag, Warschau 2005) vor.
Die Eröffnung übernimmt Elzbieta Sobótka, Generalkonsulin der Republik Polen in Köln.
Bartoszewski (geb. 1922) war 1940–1941 Auschwitz-Häftling, kämpfte danach aktiv gegen die deutsche Besatzung in Polen, war langjähriger Mitarbeiter der katholischen Wochenzeitschrift „Tygodnik Powszechny“ und Autor zahlreicher Bücher über die NS-Verbrechen in Polen. Im kommunistischen Polen wurde er mehrfach inhaftiert, u. a. als Mitglied der demokratischen Opposition. Nach der Wende von 1989 war er Botschafter Polens in Wien und anschließend zweimal Außenminister. Er wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1986.
Bartoszewski gehörte zu der kleinen Gruppe couragierter Menschen, die sich nach 1945 – inspiriert von der christlichen Versöhnungsbotschaft – um eine Überwindung des tragischen Erbes der Vergangenheit und um neue Wege in eine gemeinsame Zukunft bemühten. In seinen Erinnerungen beschreibt er das mehr als fünfzigjährige Ringen um die Wiederannäherung von Polen und Deutschen. Besonders beleuchtet er Initiativen im Raum der christlichen Kirchen wie die „Aktion Sühnezeichen“ in der DDR, „Pax Christi“ in der BRD und die katholische „Znak“-Bewegung in Polen.
Er zeigt auf, wie der authentische deutsch-polnische Dialog durch die kommunistische Herrschaft in Polen und der DDR bis 1989 erschwert wurde. Kritisch setzt er sich auch mit der westdeutschen Polen-Politik auseinander, etwa der Zaghaftigkeit vieler Christdemokraten aus Rücksicht auf die Vertriebenenverbände und der Ignorierung der polnischen demokratischen Opposition seitens der Sozialdemokraten.
Das Buch ist sehr persönlich, mit zahlreichen Anekdoten durchwoben, und bietet tiefe Einblicke in das deutsch-polnische Verhältnis.
Am Gespräch nehmen Wladyslaw Bartoszewski und Dr. Elisabeth Weber teil.
Moderation: Dr. Elisabeth Weber, Mitglied des LKF-Beirates, ehem. Osteuropa-Referentin der Bundestagsfraktion der Grünen
Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der DPG Bonn durchgeführt.

