Das Lew Kopelew Forum verleiht in diesem Jahr den nach ihm benannten „Preis für Frieden und Menschenrechte 2023/2024“ an Vertreterinnen und Vertreter der Ukraine stellvertretend für das gesamte ukrainische Volk. Geehrt werden der Bürgermeister von Kyjiw (Kiew), Vitali Klitschko und sein Bruder Wladimir Klitschko, ehemalige Weltklasseboxer. Sie kämpfen an ihrem jeweiligen Platz in der Ukraine gegen Putins Armee, die in einem völkerrechtswidrigen Angriffs- und Vernichtungskrieg erbarmungslos gegen die ukrainische Bevölkerung und deren lebenswichtige Einrichtungen samt Infrastruktur vorgeht. Die Brüder Klitschko bleiben wie ihr Präsident trotz Bomben und Raketen in Kyjiw.
Ausgezeichnet wird auch die ukrainische Sanitäterin Julia Pajewska, genannt „Taira“. Sie versorgte Verletzte und rettete Leben im Stahlwerk von Mariupol, dokumentierte die Kriegssituation dort mit ihrer Körperkamera und machte die Aufnahmen unter Lebensgefahr der internationalen Presse zugänglich. Sie überlebte die überaus harte russische Gefangenschaft und Misshandlungen und kam durch Gefangenenaustausch frei. In der Ukraine ist „Taira“ eine weithin geachtete „Heldin des Volkes“.
Die älteste Menschenrechtsgruppe der Ukraine, die „Menschenrechtsgruppe Charkiw“ (Kharkiv Human Rights Protection Group KHPG) gehört ebenfalls zu den diesjährigen Preisträgern. Sie ringt seit 1988 bis heute um die Durchsetzung und das Einhalten der Menschenrechte, unterstützt Binnenflüchtlinge und dokumentiert Fakten und Hinweise auf Kriegsverbrechen, um die Täter sobald wie möglich vor Gericht zu bringen.
Zur Veranstaltung:
Die Veranstaltung wurde eröffnet von Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln und stellvertretender Vorsitzender des Lew Kopelew Forums, am 9. Juni 2024 vor rund 400 geladenen Gästen in der Kassenhalle der Kreissparkasse Köln.
Die Preisbegründung und Würdigung der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgte durch Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forum e.V., im Gespräch mit Dr. h. c. Gerhart Baum, Bundesinnenminister a.D.
„In Zeiten größter Not und Bedrohung braucht es mutige Vorbilder, die trotz allem den Kampf dagegen aufnehmen und auch in dunkler Stunde und scheinbarer Aussichtslosigkeit darin nicht nachlassen. So wie derzeit Vitali Klitschko, der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw, und sein Bruder Wladimir. Oder die ukrainische Rettungssanitäterin Julia Pajewska, die auch unter schwersten russischen Beschuss im Stahlwerk von Asow aushielt und Menschenleben rettete. Und der Ukrainer Jewhen Zacharow, der sich seit Jahrzehnten für die Menschenrechte einsetzt und als Direktor der „Kharkiv Human Rights Protection Group“ derzeit unter anderem Kriegsverbrechen im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine dokumentiert. Sie alle, die sie für die Freiheit und Unabhängigkeit der Ukraine als Staat kämpfen, werden stellvertretend für die ukrainische Bevölkerung mit dem „Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte“ ausgezeichnet. Sie verteidigen dabei auch die Heimat des bei Kyjiw geborenen Lew Kopelew, der 1982 von den damals sowjetischen Behörden zwangsweise ausgebürgert wurde und 1997 im Kölner Exil verstarb“, sagte Thomas Roth, Vorsitzender des Lew Kopelew Forums, bei seiner Preisbegründung.
Die musikalische Untermalung gestalten ein deutsch-ukrainisches Trio unter der Leitung des preisgekrönten Pianisten Yaromyr Bozhenko, der Violonistin Olga Glibovych und des Cellisten Emanuel Matz. Des Weiteren tritt die ukrainische A-cappella Band „Dyvyna“ in der Zusammensetzung der fünf Sängerinnen Yuliia Kulinenko, Christina Kramer, Yana Fitsa, Svitlana Medvedieva und Vira Mikulina auf. Zu seinem Repertoire gehören ukrainische Volkslieder verschiedener Genres, welche die Sängerinnen bei ethnographischen Expeditionen in der Ukraine kennengelernt haben.
Bildnachweis: Horst Galuschka